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Von der Koexistenz

Insektenhotel auf der grünen Wiese
Das Insektenhotel bietet einen Raum für die Koexistenz

Das Wort „existieren“ im Sinne von „bestehen“ beschreibt zunächst das Vorhandensein von etwas. Bei dem Wort „Leben“ kommt je nach Definition das Dasein, die Natur, die Wirklichkeit oder die Aktivität als Bedeutung infrage. Nun will ich in diesem Beitrag nicht nur dem Bestehen auf den Grund gehen. Viel mehr liegt das Interesse auf dem Miteinander.

 

Feuer und Eis, Sonne und Mond, Licht und Dunkelheit

 

Zahlreiche gegensätzliche Elemente, Kräfte oder Zustände begegnen uns tagtäglich. Eine ausgeprägte Gegensätzlichkeit hilft uns dabei den Unterschied leicht zu erfassen. Unser Verstand ist darauf trainiert dies zu erfassen. Der Kontrast zwischen den Jahreszeiten Winter und Sommer ist offensichtlich. Wenn wir nun das Zusammenleben, die Koexistenz in der Natur betrachten, lassen sich vielerlei Gegensätze finden, die im Gesamtbild als Ergänzung zur Funktion des Ganzen beitragen. Die Jahreszeiten, der Tag-Nacht-Rhythmus oder auch unsere Atmung sind prädestinierte Beispiele dafür.

 

Sommer, Sonne, Strand und Meer

 

Wir genießen im Urlaub den sanften Wellengang, die wärmenden Sonnenstrahlen und die Strandliege unter dem schattenspendenden Schirm. Nicht ein Gedanke an ein kuscheliges Kaminfeuer trübt das Vergnügen. Wir passen uns den Gegebenheiten an und lernen mit dem Lauf der Natur zu leben. So wie unser Körper im Lauf der Jahrtausende gelernt hat, mit den Gefahren zu leben. Im Angesicht einer Not peitscht der Sympathikus die Herz- und Atemfrequenz nach oben, spannt das Muskelkorsett an und steigert den Blutdruck. Das passiert unwillkürlich.

 

Ein sympathisches Lächeln

 

Der altgriechische Arzt Galenos verwandt den Begriff Sympathie im Medizinischen unter der Bedeutung „Mitfühlen zwischen verschiedenen Körperteilen“. Es ließe sich daraus formen, dass die Wahrnehmung einer Gefahr über den Sympathikus das Mitgefühl der Körperteile weckt und diese gemeinsam an einer Antwort arbeiten. Das könnte zum Beispiel die Flucht vor etwas Unsympathischen sein.

 

Gemeinsamer Nenner

 

Übereinstimmung scheint ein guter Grund für das Zusammenwirken zu sein. Das gemeinsame Ziel verbindet. Irgendwie will das allerdings den Begriff Koexistenz nicht richtig erklären. Diese Art der Existenz grenzt sich in Details von dem Gemeinsamen ab. Denn die Flucht vor etwas begründet die Existenz zweier unterschiedlicher Ziele. Greifen wir wieder die Atmung des Menschen auf. Sicher wissen wir, dass die Ein- und Ausatmung dem Zweck der Gesunderhaltung des Organismus dienen. Gemeinsam tragen sie tagtäglich zur Ver- und Entsorgung bei. Dennoch sind sie gegensätzlich und das eine ohne das andere führt nicht zum Ziel. Zur Wiederfindung der eigenen Gelassenheit bieten sich Übungen an, um diese Koexistenz wieder in die Ausgeglichenheit zu bringen.

 

Natürlicher Feind

 

In der Tierwelt koexistieren zahlreiche Arten nebeneinander. Wenn der natürliche Feind fehlt oder die Balance aus dem Gleichgewicht kommt, kann das weitreichende Folgen haben. Eine Mücken- oder Heuschreckenplage wäre hier exemplarisch anzuführen. Auch der menschliche Lebensraum bietet unserer Biologie Feinde. Beispielsweise hängt die Darmflora stark vom Lebensstil und den dazugehörigen Ernährungsgewohnheiten ab. Der Alltag ist der natürliche Feind des Helden.

 

Zahlreiche Stämme von Bakterien

 

Das Mikrobiom bietet eine Vielzahl Koexistenten von Bakterien an. Erschöpfend viel wissen wir darüber noch nicht. Einige Bewohner scheinen in bestimmter Popularität zuträglich und andere in der gleichen Anzahl eher schädlich. Relativ sicher können wir sein, dass eine antibiotische Zuführung auf Dauer ein Ungleichgewicht erzeugt. So wie es für einen Menschen ebenso schädlich wäre, wenn er auf Dauer die Luft anhielte, um sich vor einer Vergiftung zu schützen. Besonders bemerkenswert ist die Anpassungsfähigkeit von Keimen. Mit kleinen Veränderungen können sie sich ihrer Feinde entledigen. Für die menschliche Biologie bedeutet das Entstehen einer multiresistenten Form neue Herausforderungen. 

 

Was wir alleine nicht schaffen

 

Das Thema der Koexistenz fasziniert mich und weckt in mir den Forschergeist. Das gemeinsame Ziel ist nach meiner Betrachtung die wichtigste Komponente. Was als Gefahr beginnt, kann am Ende eine Entwicklung sein. Einseitigkeit im Dauerbetrieb bringt aus der Erfahrung mit Krankenhauskeimen noch weniger Chancen auf eine glückliche Koexistenz. Ein starkes Immunsystem kann mit starken Keimen fertig werden. Ausgewogenheit bildet die Grundlage für den gemeinsamen Zieleinlauf. In der Kommunikation finden wir Parallelen, die jegliche Koexistenz zunichtemachen können. Das einfachste Beispiel: der scheinbar endlose Monolog. Ganz anders kann ein wertschätzender Dialog der Anfang einer respektvollen Freundschaft sein, die auf völlig gegenteiligen Betrachtungen gründet. Mit diesem Blickwinkel werfen sie einmal einen Blick auf die Welt, wie sie sein könnte.